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smileyLiebe Leserinnen und Leser,

der Monatsspruch für Mai ist gleichzeitig ein Leitvers des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer: „Tu deinen Mund auf für die Stummen!“. Er musste im 20. Jahrhundert miterleben, wie die Kirchen, die sich sonst Nächstenliebe und Barmherzigkeit für Schwächere auf die Fahnen schrieben, selbst stumm blieben angesichts von Judenverfolgung und anderen Verbrechen an der Menschlichkeit.

Tu deinen Mund für die Stummen auf, und verfolge die Rechtsfälle aller schwachen Frauen und Männer! Tu deinen Mund auf, richte gerecht, und sei Anwalt der Rechtlosen und Armen. (Spr 31,8 - Bibel in gerechter Sprache)

Und wie steht es heute um den Mut der BürgerInnen? Die Gedanken eines Bonhoeffer sind längst kirchliches Lehrgut, das Widerstandsgesetz ist im Grundgesetz verankert, PolitikerInnen fordern Zivilcourage und unterlassene Hilfeleistung steht unter Strafe.

Soweit die Theorie. Doch in der Realität sieht es häufig anders aus. Nicht immer greifen PassantInnen mutig und bedacht ein, wenn in ihrer Nähe Menschen belästigt oder sogar gewalttätig angegriffen werden.

Mir fällt dazu die aktuelle Ausgabe der Chronik.LE ein. Sie dokumentiert menschenfeindliche Übergriffe in Leipzig und im Landkreis Leipzig sowie Nordsachsen. Es erschreckt mich, wenn ich von strukturellem Rassismus gegen osteuropäische Leiharbeiter in Torgau lese, oder von verwüsteten Gedenkstätten in Taucha und beschmierten Stolpersteinen in Eilenburg, oder einem fremdenfeindlich motivierten Messerangriff in Delitzsch. Aber ich bin auch dankbar, dass diese Vorfälle benannt und sichtbar gemacht werden und nicht unter den Tisch fallen. Nur so kann ich selbst eine verantwortliche Position finden.

Auf der einen Seite möchte ich auf die Menschen vertrauen können, die die Menschenrechte aufrichten. Die sich selbst motivieren, den Mund bei Parole, Pöbelei und Prügelei aufzumachen und ihre Kinder ermuntern, empört zu sein, wenn soziale Regeln nicht eingehalten werden, Empathie und Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Aber ich glaube auch, dass Gott in dieser Gleichung nicht fehlen kann. Ihn kann ich bitten, dass er mir die Stimme verleiht und Worte in mein Herz legt, wenn mir der Mut fehlt. Zu ihm rufe ich: „Gott, schweige doch nicht!“, und kann auf Vergebung hoffen, wenn ich meinen Mund nicht aufgebracht habe.

Jesu Worte und Handeln für die Menschen geben mir den Rückhalt, dass Gewalt oder Unterdrückung von Schwächeren keinen Raum in unseren Gemeinden und Orten haben dürfen.

In diesem Sinne – „Seid barmherzig..!“

Es grüßt Sie Ihre Vikarin Teresa Förtsch.